Seite durchblättern

Sicherheit für alle

Die Coronavirus-Pandemie könnte Frauen und Mädchen treffen, die in Armut leben.

Autorin: Arsheen Qasim/ActionAid

 

Während wir uns in allen Ländern weltweit mit der neuen Realität des Lebens mit dem Coronavirus und der damit verbundenen Krankheit Covid-19 auseinandersetzen, müssen sich Hunderte oder gar Tausende von Frauen und Mädchen in der südlichen Hemisphäre, die tagtäglich mit der Armut zu kämpfen haben, nun einer ungewissen und gefährlichen Zukunft stellen.

Die weltweiten Epidemien der Vergangenheit, wie Ebola und Zika, haben uns gezeigt, dass Frauen und Mädchen oftmals den höchsten Risiken und Sicherheitslücken während und nach den globalen Gesundheitskrisen ausgesetzt sind.

Die von Covid-19 ausgehenden Gefahren verschärfen bereits die Ungleichheiten und Schwierigkeiten, mit denen Frauen und Mädchen in der südlichen Hemisphäre konfrontiert sind.

Die Ausbreitung des neuen Coronavirus könnte sich auf die Gesundheit der Frauen und Mädchen auswirken

Sich entsprechend der Aufforderung der Weltgesundheitsorganisation kontinuierlich die Hände mit warmen Wasser und Seife zu waschen, um einer Ausbreitung des Virus vorzubeugen, ist schwierig, wenn man kein Wasser oder keine sanitären Einrichtungen zur Verfügung hat.

Und in Flüchtlingslagern, in denen Frauen und Mädchen nur eingeschränkten Zugang zu sanitären Einrichtungen haben, wird das regelmäßige Händewaschen noch schwieriger.

Bedingt durch die Tatsache, in solchen Lagern in engem Kontakt mit großen Gruppen von Personen leben zu müssen, führt dazu, dass die am stärksten Gefährdeten dieser Infektionskrankheit ausgesetzt sind, insbesondere aufgrund des Mangels an entsprechendem Raum, um sich distanzieren oder isolieren zu können.

Dadurch, dass in den ärmsten Ländern kein freies Gesundheitssystem existiert und präventive Maßnahmen limitiert sind, kommt es dazu, dass ganze Populationen dem Risiko ausgesetzt sind, sich mit dem Virus zu infizieren, und dass sie keine angemessene Pflege erhalten, wenn sie erkranken.

Die Frauen der südlichen Hemisphäre spielen eine wichtige Rolle beim Sammeln von Lebensmitteln zur Ernährung ihrer Familien. Die Aufgabe, Lebensmittel von Märkten und aus Geschäften zu beschaffen, liegt in erster Linie in der Verantwortung der Frauen und kann somit deren Exposition gegenüber dem Virus verstärken, wenn sie vermehrt Zeit außerhalb ihres Zuhauses verbringen.

Ohne Zugang zu einer sofortigen und erschwinglichen Gesundheitsversorgung könnten die Frauen und Mädchen, die häufig die Last der häuslichen Pflege für Kinder, ältere Menschen und Kranke tragen, nun großen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sein.

Frauen stehen generell an vorderster Front im Kampf gegen diese Pandemie. Weltweit werden zwei Drittel der Arbeitsplätze im Gesundheitssektor von Frauen abgedeckt, darunter Krankenschwestern, Hebammen und kommunale Gesundheits-Dienstleistungen. Dies birgt auch ein entsprechend erhöhtes Risiko, der Krankheit ausgesetzt zu werden.

Die Covid-19-Pandemie könnte das Risiko sexueller Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen erhöhen.

Viele Frauen und Mädchen auf der südlichen Hemisphäre sind oftmals dafür verantwortlich, ihre Familien mit Lebensmitteln zu versorgen und Wasser zu finden.

Frauen auf der ganzen Welt verbringen außerordentlich viel Zeit (fast 200 Millionen Stunden pro Tag) damit, Wasser zu sammeln. Dabei bewegen sie sich normalerweise allein an entlegene Orte und sind somit der Gefahr sexueller Gewalt ausgesetzt, während sie auf der Suche nach Wasser sind.

Mit dem Ausbruch der Pandemie stehen die Gemeinden einem gesteigerten Bedarf an Wasser gegenüber, um sich selbst und die eigenen Familien waschen und reinigen zu können. Und die Frauen müssen sich möglicherweise verstärkt auf die Suche begeben, um ohnehin schon knappe Wasserquellen zu suchen und zu finden, wodurch sie zusätzlich Gefahr laufen, dem Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt zu sein.

Frauen und Mädchen sind während und nach dem Ausbruch des neuen Coronavirus einem höheren Risiko häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Frauen und Mädchen sind in Notzeiten einer erhöhten Gefahr von Gewalt ausgesetzt.

Der Mangel an Serviceleistungen, die Unterbrechung der normalen Ressourcen-Versorgung, die Subversion des täglichen Lebens, sowie der eingeschränkte Zugang zu sozialen Netzwerken schaffen in Krisenzeiten ein instabiles Umfeld für Frauen und Mädchen.

Eine der Maßnahmen, um die Kontraktion und die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu verhindern, besteht darin, dass ganze Familien zu Hause bleiben, sich von ihrer Umwelt absondern und sich selbst von Freunden und Bekannten isolieren. Aber was passiert mit denen, die am meisten gefährdet sind, und die nun über längere Zeiträume einem potenziell gefährlichen Partner oder Familienangehörigen ausgesetzt sind?

Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt sind während dieser Pandemie nicht nur einer erhöhten Bedrohung durch Gewalt ausgesetzt, sondern können auch von hilfeleistenden Netzwerken getrennt werden, die ihnen helfen könnten.

All dies wird durch die wirtschaftliche Ungleichheit in Entwicklungsländern verschärft, in denen Frauen und Mädchen weniger in der Lage sind, ihre gewalttätigen Partner oder Familien zu verlassen, da sie finanziell von diesen abhängig sind und weniger Zugang zu Bildungs- und anderen Maßnahmen haben.

Der fehlende Zugang zu Ressourcen -wie Einkommen und Nahrung- in Krisenzeiten, wie die der Gesundheitspandemien, kann auch dazu führen, dass die Familien Kinderehen als einen Ausweg aus der Armut ansehen. Die Mädchen, die schon im Kindesalter heiraten, unterliegen einem noch größeren Risiko häuslicher Gewalt als die Frauen, die als Erwachsene aus freier Entscheidung heiraten.

Donna_cuce_750

Die Covid-19-Epidemie untergräbt bereits in vielen Ländern der südlichen Hemisphäre den Zugang zu Einkommen sowie die Arbeitsbedingungen.

Für Menschen auf der ganzen Welt steht während der Pandemie die eigene Gesundheit an erster Stelle, und die Nachfrage nach Bekleidung nimmt ab.

Infolgedessen unterliegen Bekleidungsfabriken im globalen Süden, darunter Bangladesch, Kambodscha und Vietnam, der Gefahr einer bevorstehenden Schließung, was den Lebensunterhalt von 40 Millionen Arbeitern im Bekleidungssektor bedroht.

Etwa 80% dieser Arbeitnehmer sind Frauen, die die Gefahr einer Armut riskieren, wenn sie ihre Arbeit verlieren.

Die in diesen Sektoren beschäftigten Frauen und Mädchen sind bereits schon ungünstigen Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen ausgesetzt, aber die primäre und oft auch einzige Einnahmequelle zu verlieren, könnte dazu führen, dass sie einer noch extremeren Armut ausgesetzt sein werden.

Diejenigen, die gezwungen sind, in überfüllten Fabriken unter ungünstigen Bedingungen und ohne Zugang zu sanitären Einrichtungen und Schutzkleidung zu arbeiten, sind ebenfalls dem Risiko ausgesetzt, sich aufgrund des engen Kontaktes mit anderen mit dem Virus zu infizieren.

Darüber hinaus arbeiten in den Entwicklungsländern mehr als zwei Drittel der Frauen in der informellen Wirtschaft, ohne Kranken- und Arbeitslosengeld, wodurch ihr Einkommen und ihr Wohlbefinden beeinträchtigt und gefährdet werden.

Inwiefern reagiert ActionAid auf die neue Coronavirus-Pandemie?

Eine der Hauptprioritäten seitens ActionAid ist die kontinuierliche Unterstützung unserer humanitären und Entwicklungsprogramme auf der ganzen Welt.

Wir überwachen die Situation von Land zu Land und stellen sicher, dass unsere Projekte unterstützt, und dass die Menschen ermutigt werden, den Richtlinien ihrer Regierung zu folgen.

Wir stehen in ständigem Kontakt mit allen unseren Länderdirektoren, um zu gewährleisten, dass die Situationen der Anfälligkeit von Frauen und Mädchen sich während dieser Pandemie nicht verschlimmern, und wir bekräftigen des Weiteren die Notwendigkeit, entsprechende Antworten zu diesem geschlechtsspezifischen Thema zu formulieren.

Sie fragen sich, inwieweit Sie hier helfen können?

Teilen Sie diese Mitteilung in den sozialen Medien und helfen Sie uns, eindringlich auf diese Krise aufmerksam zu machen, von der Millionen Menschen auf der südlichen Hemisphäre betroffen sind, und bitte spenden Sie, um die gefährdeten Frauen zu unterstützen! Vielen Dank!

[Fotonachweise: Tommy Trenchard/ActionAid und Fabeha Moni /ActionAid]